Montag, 9. Februar 2015

Erinnerungen

Mein Nähtisch ist ein Erbstück - von meiner Urgroßmutter (die Nähmaschine ist auch noch da, aber im Tisch eingeklappt).

Ich durfte meine Urgroßmutter noch sehr gut kennen lernen. Als ich klein war, bauten wir unter ihrem runden Wohnzimmertisch mit Decken riesige Höhlen, in denen wir uns versteckten (sie war damals auch schon über 70 und krabbelte fleißig mit mir über den Fußboden!) oder wir saßen stundenlang an ihrem alten Sekretär und bauten einen ganzen Zoo aus Knetgummitieren.


Ich erinnere mich daran, wie sie neben der Nähmaschine in einem alten Ohrensessel saß, mit dem Rücken schräg zur Balkontür wegen des Lichtes, und mich darum bat, ihr beim Einfädeln der Nadel für ihre Stopfarbeit zu helfen. Damals war ich ungefähr 5 oder 6. Ich fand es sehr spannend, ihr zuzusehen, aber selbst nähen - auf die Idee bin ich nicht gekommen.

Vielleicht lag das daran, dass sie fast immer Löcher in alten Kittelschürzen stopfte und ich den Transfer zu meinen eigenen Kleidungsstücken nicht hergestellt habe...

In dem Ohrensessel bin ich später oft mit meinem kleinen Bruder gesessen und habe ihm endlos aus Kinderbüchern vorgelesen. Da gab es "Ratatatam" die Geschichte einer kleinen Eisenbahn. Oder "Wo die wilder Kerle wohnen". Oder ich habe selbst gelesen oder einfach nur geträumt.

Später, als mein Sohn noch im Vorlesealter und bei meinen Eltern war, saß oft meine Mutter mit ihm in diesem Sessel und hat ihm die alten Kinderbücher von meinem Bruder und mir vorgelesen.

Auch meine Mutter hat in manchen Phasen ihres Lebens viel genäht - sie war Handarbeitslehrerin und damit konnte sie das natürlich auch richtig gut.
Seltsamerweise habe ich das immer nur am Rande mitbekommen und es hat mich nie wirklich interessiert. Was sie jetzt wohl darüber denken würde, dass mich die "Nähsucht" gepackt hat?



Dafür finden sich immer mal wieder schöne alte Nähutensilien in irgendwelchen Kisten auf dem Dachboden. Manche sind einfach nur wunderhübsch, taugen aber nicht mehr, andere sind wirklich toll und praktisch.






















Nähgarn gibt es in meiner Kiste glaube ich in jeder beliebigen Farbe (manches aber so brüchig, dass es bei den ersten Stichen reißt und dann doch schnell in die Tonne wandert), endlos viele noch original verpackte Nähmaschinennadeln (wie lange halten die eigentlich?), zig formschöne, aber unscharfe Scheren, Lineale, Wäscheknöpfe ....

Wunderschön und sehr anschaulich auch diese "Bildkärtchen für den neuzeitlichen Handarbeitsunterricht":



Außerdem noch diverse Verenas, burdas und Christine Moden Hefte aus den 80er und 90er Jahren.

Christine Moden: kennt die jemand von Euch? Da sind Schnittmuster drin, die irgendwie noch groß skaliert werden müssen, ich habe aber nirgends eine Anleitung gefunden, wie das gehen soll. Kennt das jemand und weiß, was da zu tun ist?
Und immer wenn ich nähe oder mal wieder alles durchstöbere, weil ich etwas suche, führt es dazu, dass ich an meine Mutter und an meine Urgroßmutter denke. Und daran, dass ich mal wieder meinen Bruder anrufen und bei meinem Vater reinschauen könnte. Was ich dann oft auch mache :-).

Nähen verbindet.

Eine schöne Woche!

VG
SuSe

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Jeder Kommentar freut mich sehr!