Donnerstag, 4. September 2014

Lieblingsteile

Es ist inzwischen nicht mehr das erste Mal, dass ich ein gekauftes Kleidungsstück kopiere. Dabei lerne ich immer eine ganze Menge darüber, was das gekaufte Teil eigentlich zu einem Lieblingsteil macht. Bei eigenen Lieblingsteilen, weiß man das einfach. Bei Lieblingsteilen von Freunden, erfahre ich das erst beim Nähen oder am Ende beim Bügeln...

Das ist schon richtig interessant, denn darüber habe ich mir bisher echt noch nie Gedanken gemacht.

Und das ist es: das Original Lieblingsteil eine luftig, leichte Tunika mit schöner Stickerei...(Stickerei?????? Au weia...)



Leichte Tragespuren - Lieblingsteil, eben. Aber das kann ich ja schnell noch reparieren.

Anfangs hatte ich das Thema Stickereien verdrängt und dachte, dazu fällt mir schon noch was ein. Meine erste Idee war, den Aussschnitt mit einem weißen Baumwollstoff mit hellgrauen Punkten einzufassen. Das habe ich aber schnell verworfen - das sah irgendwie stark nach Uniform aus....

Also musste ich das doch noch eine Weile sacken lassen...und habe mich zuerst im den Schnitt gekümmert.







Wie immer habe ich die Tunika auf einen Bogen weißes Papier gepinnt. Ich nehme dafür immer Flipchartpapier, das ist auf einer Seite weiß und auf der anderen kariert (praktisch, wenn man mal rechte Winkel oder gerade Linien braucht), ist relativ stabil und auch nicht zu teuer.

Die Tunika wird auf ein großes Blatt Papier gepinnt.


Dann umreiße ich die Konturen mit Bleistift....
Damit ich die Armausschnitte erfassen kann, klappe ich die Ärmel nach innen weg...


...hier noch den hinteren Halsausschnitt...
Beim vorderen Halsausschnitt wird es wieder etwas trickreich: Um diesen zu kopieren, nehme ich eine Stecknadel und piekse diese in ca 2-3 cm Abständen an der Ausschnittkante entlang durch den Stoff auf das Papier. So entstehen ganz kleine Löcher in dem Papier, die ich sobald ich die Tunika vom Papier entfernt habe, mit Bleistift nachziehen kann.

Rück - und Vorderteil sind  - bis auf den Halsausschnitt vorne und hinten - baugleich. Insofern entspricht das jetzt umrissene Teil dem Rückenteil.

Jetzt habe ich einen groben Umriss und die grob eingezeichnete vordere Auschnittkante. Das muss alles noch ein bisschen genauer werden, also muss ich die Tunika ausmessen:

Hier am Beispiel der Schulterkanten:



Das gleiche muss man dann noch z.B mit der vorderen Ausschnitttiefe, den Armausschnitten, der Länge und Breite der Tunika machen und die Zeichnung auf dem Papier entsprechend  anpassen.

Am Ende haben sowohl Vorderteil als auch das Rückenteil keine Mittelnaht, so dass beide Teile im Stoffbruch zugeschnitten werden könnten. Das vereinfacht das Herstellen des Papierschnitts etwas - denn ich brauche nur die Hälfte für jedes Schnittteil und bekomme auf die Weise auch eine Symmetrie! Ich habe noch keinen Trick gefunden, wie ich ansonsten zwei absolut symmetrische Teile hinbekomme.

Danach noch schön mit Lineal, Kurvenlineal schöne Linien zeichnen, dann kann ausgeschnitten werden.
Hakelig ist es dann noch, die Belege für die Halsausschnitte zu bekommen.

Und so sehen meine Schnittteile dann aus:



Als nächstes muss ein Stoff her...gar nicht so einfach. Das Original ist ein ganz leichtes, weißes Baumwollgemisch ---- okay, das mit dem Gemisch, habe ich erst festgestellt, nachdem ich schon einen leichten weißen Baumwollstoff gekauft hatte--- :-).

Und so geht es also mit dem Baumwollstoff weiter - und mit weiteren Erkenntnissen über "warum Lieblingsteile Lieblingsteile sind": Baumwolle (auch leichte) geht ganz ohne Bügeln  nicht unbedingt....Mischgewebe, dann schon eher :-).

Damit steht jetzt schon fest, dass ich das Lieblingsteil mit meiner jetzigen Kopie sicherlich nicht toppen kann, aber vielleicht wird's ja trotzdem schön?

Zuschneiden, Abnäher stecken und nähen, Schulternähte zusammennähen und jetzt der Ausschnitt: der war nochmal richtig schwierig.

Dazu habe ich die beiden Belegstreifen (hinten und vorne) erst Mal als Ring so zusammengenäht, dass die beiden Nähte auf der Schulternaht zu liegen kommt. 

Danach wird der Belegstreifen rechts auf rechts an der Ausschnittkante festgesteckt und festgesteppt.

So sieht das dann von innen aus:
 Das Fummelige ist es jetzt, den Beleg nach innen zu klappen. Das geht ja an den halbwegs geraden Strecken noch relativ gut, aber unten an der Ecke des vorderen Ausschnitts, wird es echt fies: Hier muss man auch die Nahtzugabe bis kurz vor die Naht einschneiden, dass das überhaupt klappt.


Dann noch schnell innen feststecken



Und jetzt kann genäht werden.

Ärmel einnähen, Säume versäubern - und wie ist das jetzt mit der Ausschnittverzierung??????

Es gab vor einigen Wochen mal das Thema Sashiko Stickerei bei Lucy von nahtzugabe. Das finde ich ja total schön. Das muss ich erst üben...

Dann gibt es viele, die "malen" mit ihrer Nähmaschine. Das finde ich super spannend, und habe das gleich mal ausprobiert - mit mäßigem Ergebnis. Auch das muss ich erst mal heftig üben, bevor ich eine "fremde" Tunika damit quäle.

Also habe ich mal alle Zierstiche, die meine Maschine so hat in verschiedensten Stichlängen und Kombinationen ausprobiert und das ist das Ergebnis:


Gar nicht mal so übel, aber inzwischen habe ich ja noch weitere Kriterien gesehen, die am Ende das Lieblingsteil  - neben Schnitt und Passform - so alles ausmacht:
  • bügelfreier, ganz weicher Stoff
  • eine super schöne dezente Stickerei am Ausschnitt
Nächstes Mal dann! Und noch in einer anderen Farbe!

Viele Grüße, SuSe






Kommentare:

  1. Mir gefällt deine neue Tunika.
    Danke für den Tip mit dem Flipchartpapier.
    Liebe Grüße
    Susan

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    1. Danke! Das freut mich sehr. Wünsche Dir ein schönes Wochenende!
      Liebe Grüße
      SuSe

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Jeder Kommentar freut mich sehr!