Sonntag, 10. August 2014

"Making of" im August: Sommerkleidchen "PS" Teil 1

Kopieren - geht das überhaupt?

Heute habe ich mich das erste Mal an das kopieren eines Kleidungsstückes gewagt. Kompliziert schien es nicht, das Kleid meiner Freundin, also machte ich mich gleich ans Werk:

Hier seht Ihr das Original einmal von vorne und einmal von hinten:


Alle folgenden Abmessungen ergeben ein Kleid Größe M (so ist es im Originalkleid selbst angegeben) Meine Schätzung ist dass das Größe 36/38 ist (ohne Gewähr).


Wie komme ich an das Schnittmuster???

Zuerst musste ein Schnittmuster her, das heißt, ich musste identifizieren, aus welchen Schnittteilen das Kleid besteht und wie diese zusammen gehören. 

Also legte ich das Kleid erst mal auf einen großen Bogen weißes Papier.

Am besten ist es, wenn man das Kleid auf links dreht, da kann man schön die Nähte zwischen den Schnittteilen erkennen:

Vorne besteht das Kleid aus 5 Teilen:


Nach dieser Analyse kann man sehen, dass der Schnitt vorne wirklich sehr einfach ist:

Man sieht immer oben an den Rockstufen, dass der Stoff kleine Fältchen hat, die sich über die ganze Breite des Teils verteilen.Das ist wichtig für die Erstellung des Schnittmusters, denn das bedeutet, dass jedes Rockteil erst Mal breiter ist als die untere Kante des Teils, an das es später angenäht wird. 

Später bevor die Teile zusammengenäht werden, werden die Rockstufen immer am oberen Ende durch Einreihen (Raffen/Zusammenziehen) des Schnittteils auf die gleiche Breite gebracht, wie die untere Kante des oberen Schnittteils. 

So entstehen auch die "Kurven" im fertigen Teil, da nach der Raffung  die Oberkante schmaler ist, als die Unterkante. 

Vor der Raffung  - und damit auch auf dem Papierschnitt  - sind jedoch alle Kanten erst Mal gerade, auch die Unterkante vom Oberteil.

Das vordere Oberteil

Um die Länge (bis zum Armausschnitt) und Breite des Oberteils zu erhalten, habe ich die Seitenkante (bis zum Armausschnitt) und die Unterkante des Unterteils gemessen.

Um das Oberteil zu erhalten, habe ich die Konturen um das Oberteil herum mit Bleistift auf das Papier gezeichnet.  



 Die Konturen auf dem Papier sehen v.a. entlang des Arm- und Halsauschnittes noch recht ungleich aus:

Das wird noch per Hand mit Radierer, Lineal und Bleistift ausgeglichen. 

Außerdem wird noch die vordere Mitte mit dem Fadenlauf definiert, dann kann man das Teil auch im Stoffbruch zuschneiden und ist damit sicher, dass beide Seiten symmetrisch sind.

OK, das Schnittteil für das vordere Oberteil ist fertig! 
Dieses Schnittteil muss später einmal im Stoffbruch ausgeschnitten werden.

Jetzt der obere Rücken: 


Nochmal zur Erinnerung: hinten hat das Kleid einen schönen, tiefen Ausschnitt ;-), der auch nicht fest am Rücken anliegt.



Das bedeutet, dass wir für den oberen Teil rechts und links nur ein kleines Teil brauchen.











Also nochmal das Kleid auf das Papier pinnen - diesmal aber die Rückseite:



In diesem Fall kann man eigentlich auch gleich ein Viereck (kein Rechteck!) mit den angegebenen Abmessungen zeichnen:

An der linken Kante schließen die obere und untere Linie je mit einem rechten Winkel ab.


Dadurch, dass die obere Kante 1 cm kürzer als die untere Kante ist, ergeben sich die Winkel an der rechten Kante.

Damit hat man also auch das Teil für den oberen Rücken. 

Dieses Teil muss 2x ausgeschnitten werden: Einmal so wie hier dargestellt und einmal seitenverkehrt.

Noch die Rockstufen, dann ist es bald geschafft!

Die Rockstufen sind hinten und vorne jeweils gleich, so dass man hier auch jeweils nur 1 Schnittteil braucht.

Für die Rockstufen habe ich immer die untere Kante für die Breite sowie die Seite für die Länge gemessen. Heraus kommt jedes Mal ein Rechteck.

Hier als Beispiel die oberste Rockstufe:


Da muss man mit dem Maßband ein wenig "jonglieren", denn man muss ja die "Kurve" messen. 

Die Oberste Rockstufe hat eine Breite von 70 cm und eine Länge von 15 cm.

Später möchte ich die Teile jedoch auch im Stoffbruch schneiden, kann also für meinen Papierschnitt die Breite halbieren.

Macht also für den Papierschnitt eine Breite von 35 cm und die Länge bleibt bei 15 cm.

Die anderen Rockstufen habe ich genau so vermessen. Hier die Ergebnisse: 

Erste Rockstufe:
Hierfür ein Rechteck mit folgenden Maßen zuschneiden: 
Reale Abmessung des Stoffteils 70 cm breit, 15 cm lang.
Papierschnitt: 35 cm breit, 15 cm lang.

Zweimal im Stoffbruch zuschneiden; dabei liegt die kurze Seite am Stoffbruch!

Zweite Rockstufe:
Hierfür ein Rechteck mit folgenden Maßen zuschneiden:
Reale Abmessung des Stoffteils 110 cm breit, 20 cm lang.
Papierschnitt: 55 cm breit, 20 cm lang.


Zweimal im Stoffbruch zuschneiden; dabei liegt die kurze Seite am Stoffbruch!

Dritte Rockstufe:
Hier gibt es die Besonderheit, dass das vordere Teil und hintere
Teil der Rockstufe aus je zwei Teilen besteht. 

Reale Abmessung des Stoffteils 94 cm breit, 8 cm lang.
Papierschnitt: 47 cm breit, 8 cm lang.
Viermal im Stoffbruch zuschneiden, dabei liegt die kurze Seite am Stoffbruch!


Meine Freundin hat sich einen wunderschönen Sommerstoff ausgesucht:

Den habe ich natürlich erst Mal gewaschen und gebügelt, damit er sich nach dem Nähen nicht verzieht.

So sieht dann das Ganze aus, wenn die Schnittteile auf dem Stoff liegen (Achtung: ich habe natürlich nur ein Papier- Schnittteil je Rockbahn und lege es entprechend oft auf den Stoff auf!)


Jetzt, kann ich mich jetzt ans Zuschneiden des Stoffes machen.

Das vordere Oberteil und die Rockbahnen kann ich im Stoffbruch zuschneiden. Die Rockbahnen muss ich natürlich 2 x und die unterste Bahn sogar 4 x ausschneiden.

Und jetzt ist endlich Zeit für einen Kaffee!!

Fortsetzung folgt!

Über Kommentare und Fragen freue ich mich sehr!

Viele Grüße, SuSe

Kommentare:

  1. Das regt an zum nachmachen. Gute Beschreibung und schönes Sommerkleid.

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